NS-Kinder
 Kinder  der Mitglieder der Nationalen Sammlung (NS) in Norwegen
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NS-Kinder, Kriegskinder und Romas in Norwegen.

Die NS-Kinder haben ihre Freundestreffen 3-4 Mal im Jahr in Norwegen.  Wir möchten ein Ort der Geborgenheit sein, wo die Kinder der Mitglieder der Nationalen Sammlung frei reden dürfen, Fragen stellen dürfen, und über ihre Probleme erzählen ohne der Mangel an Verständnis sonst üblich im Norwegishen Gesellschaft. 

Die meisten Kinder von Mitglieder der Nationalen Sammlung empfinden es als sicherer, über ihren Hintergrund zu schweigen. Eine andere Metode, sich im Norwegischen Gesellschaft geborgen zu empfinden, ist die offiziellen Ansichten über was ihre Eltern gedacht und getan haben sollen, anzunehmen, und ihnen womöglich noch mehr verdammen als die meisten Norweger. 

Einige NS-Kinder haben das Bedürfnis einander zu begegnen, und unsere Erfahrungen und Gedanken mit einander zu teilen. Wir haben Erfahrungen gemeinsam. Sonst sind wir sehr unterschiedlich. Wir sehen uns 3-4 mals im Jahr Samstags um 1 Uhr. Es gibt immer einen Vortrag über ein Tema vom gemeinsamen Interesse. Dann haben wir einen Wortwechsel, wir essen gemeinsam, reden mit einander und geniessen die Gemeinschaft bis in den Abend hinein.

Vorigen Frühling hat der Schriftsteller und Journalist Bjørn Westlie seine Gedanken geteilt. Er fing die Debatte an, dass Norwegen die Juden endlich den Teil ihres Eigentums Zurückgeben sollte, dass sie nicht in der unmittelbaren Nachkriegszeit zurück bekamen. In Norwegen wurde Teile der Werten der Juden und anderen Norweger im Ausland von Behörden der Nationalen Sammlung bewahrt. Alles wurde nicht den Juden in der unmittelbaren Nachkriegszeit zurückgeliefert. Das ist jetzt geschehen.

Bjørn Westlie hat auch über die Norwegischen Romas und über Rassen- und Genenhygiene geschrieben. Er sprach über das Thema «Mit den Sünden unserer Väter leben, die Schande ohne Bitterkeit tragend».  Wie immer, waren in unsere Gruppe verschiedene Auffassungen vertreten.

Der Bischoff von Drontheim verordnete zum Busstag in Oktober 1999 dass man in den Kirchen seines Bistums um Vergebung für die Haltung der Kirche gegen die Kriegskinder und die NS-Kinder. Später haben alle Bischöfe das gleiche erklärt. Am 30.September 2000 ist Bischoff Finn Wagle uns begegnet. Er wurde öffentlich dafür getadelt, dass er eine Gruppe begegnete wo mehrere Ansichten über die Geschichte Norwegens im zweiten Weltkrieg vertreten waren.  Wir hatten ein gutes und offenes Gespräch. Der Bischoff fragte nach unseren Erfahrungen mit der Norwegischen Kirche. Er hörte einige von unseren eher traurigen Erzählungen zu.

Zur Weihnachten leitete Bjørg Jacobsson unser Gespräch ein über «Was wir daraus gelernt haben, NS-Kinder zu sein».  Unter dem was wir gelernt haben, ist selbständiges Denken. Die Erfahrung davon, falsch gewertet zu werden wegen unser Hintergrund, hilft uns auch anderen Gruppen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu verstehen.

Der Nobelpreisträger Bjørnstjerne Bjørnson ist in der Nähe von Molde aufgewachsen.  Er hat mit Emile Zola die Sache von Dreyfus gefördert. Das Thema vom jährlichen Bjørnsonfestival in Molde 2000 war das Schicksal von den Norwegischen Kriegskinder und die Kinder der Mitglieder der Nationalen Sammlung (NS).

Den NS-Kinder wurden erzählt dass sie sich nicht mehr wegen ihren Eltern zu schämen brauchen. Die Kinder haben keine Verantwortung dafür, was ihre Eltern getan haben. Es wird als selbstverständlich angesehen, dass wir alle uns mehr wegen unsren Eltern als wegen der Norwegischen Gesellschaft schämen. 

Ein Programm des Ersten Norwegischen Fernsehens in Oktober 2000 über die NS-Kinder hat denselben Eindruck gegeben. Der Leiter dieses Programmes war Ende März 2001 in unsere Gruppe.

Er erzählte dass dieses Programm von etwa jeden achten Norweger gesehen wurde. Er har erlebt, dass sehr viele nicht teilnehmen wollten, aus Angst davor, welche Folgen es für sie und ihre Familien haben wurden. Es schien eine Überraschung für viele Norweger, dass zwischen 100000 und 200000 aus einer Bevölkerung von 4 Millionen NS-Kinder sind. 

Am 16.-18. Februar 2001, war eine Begegnung des Kriegskinderverband «Lebensborn» (1999) in der Stadt Kongsvinger. Unter den eingeladenen Gästen waren Leif Bodin Larsen vom Verein der Norwegischen Romas und Inger Cecilie Stridsklev von den NS-Kindern (1996). Norwegen verlor insgesamt etwa 10000 seiner Einwohner wegen den Zweiten Weltkrieg, und bekam etwa 10000 Kinder mit Deutschen Väter 1941-46. 

Wir haben  gleich eingesehen, dass wir viel Gemeinsames haben. Viele aus allen Gruppen hatten ein oder beide Eltern vermisst, entweder eine Zeitlang oder das ganze Leben. Viele haben auch Mangel an Schulung, und einige von allen Gruppen lernten deswegen nie Lesen und Schreiben. 

Die Romas haben die längste Erfahrung mit Verfolgung in Norwegen: Seit sie im Mittelalter ankamen. Die NS-Kinder wurden seit 1940 verfolgt. Die Kriegskinder erinnern kaum Verfolgung bevor 1945. Das heisst nicht, dass es nicht vorgekommen ist. Die Deutschen wollten während des Krieges dass diese Kinder deutsch seien, die damaligen norwegischen Behörden behaupteten sie seien Norweger. Die norwegischen Behörden der Nachkriegszeit betrachteten diese Kleinkinder als ein Risiko und ein Problem, dass sie gerne ins Ausland hinversetzen wollten. Einige wurden mehrmals zwischen Norwegen und Deutschland gebracht.

Doch möchten keiner dieser Gruppen als Verlierer angesehen werden. Wir möchten für diejenigen die wir sind, als einzelne und als Gruppen, jeder mit seinen besonderen Hintergrund,  wahrgenommen werden. Theoretisch mag es welche geben, die alle drei Gruppen gehören: Einige Romas wurden Mitglieder der Nationalen Sammlung, oft weil sie sich daraus Geborgenheit versprachen. Einige Mitglieder der Nationalen Sammlung hatten auch Kinder mit deutschen Väter.

Wir hoffen, das dies Anfang einer Zusammenarbeit ist.

Das norwegische Verband der Romas wurde 1995 gegründet. Sie möchten ihre Mitglieder praktisk helfen, und einander helfen ihre Kultur zu bewahren.

Jede 7. Mai treffen sie sich bei einem namenlosen Massengrab in der Nähe des grössten Geisteskrankenhauses in Oslo. Dort sind viele Romas, die nach Behandlung im Krankenhaus starben, begraben. 

«Die Norwegische Mission unter den Heimatlosen» (Die Mission) sollten im Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Staat die Romas mit anderen Norwegern gleichschalten.

Während ihres Wirkens in der Zeit 1897-1986 haben sie aus einer Bevölkerung von 3-4000 Menschen etwa 1500 Kinder ihren Eltern weggenommen. Weil der Leiter der Mission wusste, dass die Internationale Gestapo Interesse an «Elemente verschiedener Rassen» hatte, hat er das Archiv der Mission, mit Namen und Anschriften der Romas, dem Polizeiministerium angeboten. Die Leitung die damals der Nationalen Sammlung gehörte, hat kein Interesse gezeigt. 

In der Nachkriegszeit hat deswegen die Mission mit erneuter Kraft ihrem Tun angefangen. Sie haben Kinder weggenommen, und Sterilisierungsoperationen vornehmen lassen. Das Sterilisierungsgesetz war 1934 erlassen. Die Anzahl der Operationen wuchs während des Krieges, war aber nie grösser als in den Jahren 1945-54. Die Leiter der Mission waren Pfarrer. Einer hiess Ingvald B. Carlsen. Er lernte Verständnis für Rassenhygiene. Er nahm auch Teil im «Kriegskinderausschuss». Dieses staatliche Gremium beschrieb all die Probleme diese Kinder, damals 0 bis 4 Jahre alt, machen würden, und gab dafür Lösungsvorschläge. Es galt als selbsbstverständlich, dass diese Kinder erbliche Schäden habe. Er schrieb auch 1945 ein Buch über die Norwegische Kirche während des Krieges, in dem er die Christen in der Nationalen Sammlung so beschrieb, als wären sie wie er.

Sieben Mitglieder der Kriegskinder haben ein Gerichtsverfahren gegen den Norwegischen Staat eingeleitet. Ihr Anwalt gab Übersicht wie die Sache jetzt steht. Sie war sicher, dass auch wenn der Prosess verloren würde, wird dadurch das Schicksal der Kriegskinder in Norwegen bekannt.

Adressen: 

Berte Næs Dølen, Røykenvik, N-2760 Brandbu. Tel *47 61334095 
Rolv Olsen, N-2432 Slettås. Tel *47 915 65 706
Inger Cecilie Stridsklev, Håvundvn.125, N-3715 Skien. Tel *47 35521813 

 
email an uns: nsbarn@start.no
17.04.2001