Remagener Nachrichten 17. März 1999

Remagen. 
»Träume - Farbe und Lebenslust« sind mit der jüngsten Ausstellung in die Kleeblatt-Residenz eingezogen. 
Die in Königsfeld lebende Seidenmalerin Jutta Eulenstein-Husdal stellt ihre, auch im Ahrkreis bereits mehrfach gezeigten Arbeiten vor, deren hervorstechendstes Merkmal ihre überragende farbliche Brillianz ist. 
Leiter Christoph Lessnig zeigte sich erfreut, die »lebensfrohen Werke im Haus beherbergen zu können«, und Hedi Jungen würdigte in ihrer Einführung anläßlich der Eröffnung deren Farbkraft und das zum Ausdruck kommende Naturerleben der Künstlerin. 
In der Tat führt die seidige Bilderwelt von Jutta Eulenstein-Husdal in die Natur.
Stolze Hähne in der Glorie ihres Federkleids gehören ebenso zu den Motiven wie riesige Blumenblüten, eine Landschaft der Provence oder ein »Waldfrieden« getiteltes Werk, dessen diffuser Lichteinfall den grünen Dom mystisch erhellt, seine gebremste Helligkeit jedoch erst auf einem Häufchen Bodenlaub gelbleuchtend entfaltet. 
Das Besondere an Eulenstein-Husdals Blick ist die Nähe zum Objekt. 
Da gibt es etwa zwei Hähne, die sich abschätzend mustern, ohne daß erkennbar wird welcher von beiden der Schönere ist, jener mit dem klirrend blauen Gefieder oder der im blau-grünen Schmuck mit dem größeren Kamm. 
Diese großen Vögel springen förmlich ins Auge. Kein gemalter  Vordergrund trennt den Betrachter von der Darstellung, er steht unmittelbar neben den konkurierenden Tieren, sieht sich womöglich versucht, die glänzende Pracht zu berühren. 
Oder die Blüten. Die Malerin nimmt die Sturzflugperspektive einer Hummel ein, die bereit ist, geradewegs auf den schwarzen Grund des geöffneten roten Tulpenkelches hinabzusurren, um sich auf den gelben Staubgefäßen niederzulassen. 
Sie besitzt die Neugier eines Kindes, respektlos und gleichermaßen grenzenlos begeistert für die Wunder allen Seins, daß sie so direkt und genau hinzuschauen vermag. 
Pures Hinsehen reicht nicht aus, um der Farbe ein solches Volumen zu verleihen, wie es die Künstlerin tut. 
Um diese Energie ins Bild zu setzen, geht ein bewußter Prozeß des Erkennens voraus. 
Und so macht die Seidenmalerin deutlich, wie es in ihrem Innern ausschaut. Da brodeln die Emotionen, das Wissen um menschliche Höhen und Abstürze und ein Wille, die Kräfte des Wachsens und Vergehens zu verstehen. Ein Wille, die Schönheit allen Lebens in ihrem ganzen Reichtum zu feiern. 
Jutta Eulenstein-Husdal hat, das machen ihre Werke unzweifelhaft deutlich, die seltene Gabe, das Glück zu suchen und zu finden. 
Ihre Naturbilder entsprechen also auch Innenlandschaften. Mehr noch handelt es sich bei den abstrakten Werken um Seelenschau. 
»Im Strudel der Zeit« zeigt eine farbige Fließbewegung, beim »Urknall« spritzen die Formen auseinander, und die »Auflösung« zerfällt in glutrote Zapfen und blauweiße Eiskegel. 
Kontraste der Farben und Formen schaffen, technisch souverän gemeistert, Spannung. Ein Schuß Heiterkeit und Ironie würzt das opulente Farbgericht. 
Denn wenn die Malerin ihre Hähne vorführt,  verkörpern diese für sie auch männliche Eitelkeit und Imponiergehabe. Die Besucher quittieren dies mit Schmunzeln. 
Und sie lassen sich verzaubern von den urigen Trollen, jenen Dämonen der altnordischen  Mythologie. Augenzwinkernd hat die Malerin sie ins Visier genommen. Einer spielt versunken auf einem eigentümlichen Saiteninstrument, ein anderer ist, die wilde Freude steht ihm dabei ins Gesicht geschrieben, auf »Brautraub« und hält in seinen klobigen Pranken ein zappelndes blondes Menschenkind. Die sehenswerte Ausstellung ist bis 4. Mai in der Seniorenresidenz zu sehen. 
 - Hildegard Ginzler