Remagen.
»Träume - Farbe und Lebenslust« sind mit der jüngsten
Ausstellung in die Kleeblatt-Residenz eingezogen.
Die in Königsfeld lebende Seidenmalerin Jutta Eulenstein-Husdal
stellt ihre, auch im Ahrkreis bereits mehrfach gezeigten Arbeiten vor,
deren hervorstechendstes Merkmal ihre überragende farbliche Brillianz
ist.
Leiter Christoph Lessnig zeigte sich erfreut, die »lebensfrohen
Werke im Haus beherbergen zu können«, und Hedi Jungen würdigte
in ihrer Einführung anläßlich der Eröffnung deren
Farbkraft und das zum Ausdruck kommende Naturerleben der Künstlerin.
In der Tat führt die seidige Bilderwelt von Jutta Eulenstein-Husdal
in die Natur.
Stolze Hähne in der Glorie ihres Federkleids gehören ebenso
zu den Motiven wie riesige Blumenblüten, eine Landschaft der Provence
oder ein »Waldfrieden« getiteltes Werk, dessen diffuser Lichteinfall
den grünen Dom mystisch erhellt, seine gebremste Helligkeit jedoch
erst auf einem Häufchen Bodenlaub gelbleuchtend entfaltet.
Das Besondere an Eulenstein-Husdals Blick ist die Nähe zum Objekt.
Da gibt es etwa zwei Hähne, die sich abschätzend mustern,
ohne daß erkennbar wird welcher von beiden der Schönere ist,
jener mit dem klirrend blauen Gefieder oder der im blau-grünen Schmuck
mit dem größeren Kamm.
Diese großen Vögel springen förmlich ins Auge. Kein
gemalter Vordergrund trennt den Betrachter von der Darstellung, er
steht unmittelbar neben den konkurierenden Tieren, sieht sich womöglich
versucht, die glänzende Pracht zu berühren.
Oder die Blüten. Die Malerin nimmt die Sturzflugperspektive einer
Hummel ein, die bereit ist, geradewegs auf den schwarzen Grund des geöffneten
roten Tulpenkelches hinabzusurren, um sich auf den gelben Staubgefäßen
niederzulassen.
Sie besitzt die Neugier eines Kindes, respektlos und gleichermaßen
grenzenlos begeistert für die Wunder allen Seins, daß sie so
direkt und genau hinzuschauen vermag.
Pures Hinsehen reicht nicht aus, um der Farbe ein solches Volumen zu
verleihen, wie es die Künstlerin tut.
Um diese Energie ins Bild zu setzen, geht ein bewußter Prozeß
des Erkennens voraus.
Und so macht die Seidenmalerin deutlich, wie es in ihrem Innern ausschaut.
Da brodeln die Emotionen, das Wissen um menschliche Höhen und Abstürze
und ein Wille, die Kräfte des Wachsens und Vergehens zu verstehen.
Ein Wille, die Schönheit allen Lebens in ihrem ganzen Reichtum zu
feiern.
Jutta Eulenstein-Husdal hat, das machen ihre Werke unzweifelhaft deutlich,
die seltene Gabe, das Glück zu suchen und zu finden.
Ihre Naturbilder entsprechen also auch Innenlandschaften. Mehr noch
handelt es sich bei den abstrakten Werken um Seelenschau.
»Im Strudel der Zeit« zeigt eine farbige Fließbewegung,
beim »Urknall« spritzen die Formen auseinander, und die »Auflösung«
zerfällt in glutrote Zapfen und blauweiße Eiskegel.
Kontraste der Farben und Formen schaffen, technisch souverän gemeistert,
Spannung. Ein Schuß Heiterkeit und Ironie würzt das opulente
Farbgericht.
Denn wenn die Malerin ihre Hähne vorführt, verkörpern
diese für sie auch männliche Eitelkeit und Imponiergehabe. Die
Besucher quittieren dies mit Schmunzeln.
Und sie lassen sich verzaubern von den urigen Trollen, jenen Dämonen
der altnordischen Mythologie. Augenzwinkernd hat die Malerin sie
ins Visier genommen. Einer spielt versunken auf einem eigentümlichen
Saiteninstrument, ein anderer ist, die wilde Freude steht ihm dabei ins
Gesicht geschrieben, auf »Brautraub« und hält in seinen
klobigen Pranken ein zappelndes blondes Menschenkind. Die sehenswerte Ausstellung
ist bis 4. Mai in der Seniorenresidenz zu sehen.
- Hildegard Ginzler
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